Mein persönlicher Jakobsweg … die Rückreise, das Gepäck und über das, was bleibt

Österreich ist schön. An manchen Orten und Plätzen berauschend schön (und ich meine da jetzt nicht die Heurigen).

Am schönsten ist es jedoch dort, wo einen Erlebnisse mit den Menschen verbinden, die einem wichtig sind und die man liebt.

Deshalb ist Vorarlberg für mich ein besonders schöner Platz. Genauso wie meine noch ziemlich neue und zugleich sehr alte Heimat im Mostviertel, wohin es wieder zurückgeht und wo etwas auf mich wartet, von dem weder ich, noch das was auf mich wartet, etwas weiß. Etwas, was erst kommen wird … die ganz große Liebe.

(Anmerkung: der Artikel beschreibt den Status im Sommer 2016. Damals bin ich … das erste Mal in meinem Leben … ca. ein Jahr Single)

Zurückzureisen in einer Welt der Improvisation ohne starre Vorgaben bedeutet, noch nicht zu wissen, wie konkret die Rückreise stattfinden wird.
Das bin ich schon der Art meiner Anreise schuldig.

Wissen wird maßlos überbewertet.

Und so ergibt sich, dass ich mit leichtem Gepäck mit dem Zug zurückreise. Den Radanhänger mit dem schweren Gepäck möchte ich zurückschicken. Wenn’s wirklich wichtig ist, dann lieber mit der Post oder mit der Bahn. Der Preis, den die Post für den Transport von Dingen, die nicht in ein Kuvert passen, verlangt, hat mich schon damals, als ich meine Bilder zur Ausstellung nach Barcelona transportierte, abgeschreckt. Also frage ich dort gar nicht nach.

Die Bahn steht hier der Post preislich um nichts nach, nur die Leistung ist deutlich schlechter. Ich müsste meinen Anhänger vom Frachtenbahnhof in Herzogenburg abholen, also von mir zu Hause eine Autofahrt von rund 70 km und einem Zeitaufwand von ca. zwei Stunden. Der Paketdienst, den ich bei einem Spaziergang entdecke, transportiert mir alles bis zu meiner Haustür … um ca. ein Fünftel des Preises. Und innerhalb eines Tages. Und das Datum des Anliefertages ist vereinbar. Es fasziniert mich, was Kunden veranlasst, irgendetwas mit der Bahn transportieren zu wollen.

Da wär noch das Problem mit der Verpackung. Der äußerst sympathische und hilfsbereite Geschäftsführer des Paketdienstes sagt mir zu, für mich eine große Schachtel zu organisieren, in die ich dann direkt bei ihm mein Zeug verpacken könne. Aber ich hätte das Verpacken lieber schon vorher erledigt. Und so ruft Anita einen ihrer Kunden an, der bei XXXLutz Einkäufer ist und mir aus dem Lager eine passende Schachtel organisiert, die ich in Ruhe zurechtschneiden und befüllen kann.

Auf meiner Rückfahrt mit dem Zug habe ich folgendes mit:

– meinen Rucksack
(leicht befüllt mit Trinkflasche, zwei Büchern, etwas Schreibzeug und meiner Lesebrille)

– mein Fahrrad
(mit dem ich vom Bahnhof St. Pölten zu mir Heim radeln werde)

– meine lebendige Erinnerung an die vielen Eindrücke der letzten Tage, die jetzt ihren Ausdruck in den Geschichten über den Jakobsweg finden

Ich genieße den Ausblick in die vorbeiziehende Landschaft, unterhalte mich mit meinen Reisegenossen und lasse in meinem Kopf das, was bleibt, Gestalt annehmen.

 

Das, was bleibt ist:

– Ich hasse Nacktschnecken, selbst wenn es spanische sind. Tigerschnecken ausgenommen.

– Die Erwartung von Erwartungslosigkeit ist ein bisserl was Paradoxes.

– Vieles, dem wir Wichtigkeit und Gültigkeit zuordnen, ist GLEICH-GÜLTIG.

– GÜLTIG ist nur: es IST, wie es IST. Was auch immer es sei.

– Es ist immer alles da, was du brauchst. Du brauchst es nur zu finden.

– Gott ist ein Künstler. Und er hat Humor.

– Teile der eigenen persönlichen Geschichte auslöschen zu wollen, war nie eine gute Idee.

– Sie im eigenen ICH umzuwandeln und ihr die Gültigkeit zu geben, die die hat, schon.

– Engagement bedeutet, sich selbst zu bewegen, statt die Anderen bewegen zu wollen.

– Sich die Zeit und den Raum für Trauer und für Tränen zu nehmen, die es braucht, ist Ehrfurcht und Wertschätzung vor dem, worum man trauert und Liebe gegenüber sich selbst.

– Es ist schön, dass es Menschen gibt, die mutig sind.

– Viele Menschen funktionieren, anstatt zu leben. Sie erfüllen die Erwartungen anderer, erlegen sich selbst fragwürdige – oft unrealistische – Erwartungshaltungen auf und lassen sich von diesen durchs Leben treiben. Angetrieben, statt zu erleben, sich in eine Scheinwelt katapultierend, in der es wichtiger ist, sich mit dem Nachbarn zu vergleichen, anstatt auf sich selbst zu achten … und auf die Menschen, die einem wichtig sind – und denen man wichtig ist.

– Es gibt Menschen, die das Wesen einer unberechnenden Warmherzigkeit in sich tragen und das Gefühl vermitteln, ihnen willkommen zu sein. Die Welt wäre reicher, wenn mehr Menschen diese Einstellung hätten.

– Die Gelegenheit zu nutzen, aus eigenen Fehlern dazuzulernen und die Weisheit, die in diesen Lebenserfahrungen liegt, auf gute Weise in die Beziehung zu den Menschen einzubringen, die einem wichtig sind, ist eine Bereicherung für alle.

– Wer seine Vorfahren nicht begreift, begreift seine Wurzeln nicht und damit auch zu einem guten Teil sich selber nicht.

– Wer mit den Schwächen und Fehlern seiner Eltern nicht Frieden geschlossen hat, der wird es schwer haben, sich selbst rückhaltlos zu lieben und auch sich selbst für eigenes Versagen zu vergeben.

– Wer sich nicht selbst liebt, wird es schwer haben, andere zu lieben.

– Freiheit bedeutet Verantwortung. Freiheit bedeutet auch Umgang mit Gefahr. Umgang mit Verletzungen. Intelligente Kreativität. Im Käfig oder im Blumentopf lebt es sich einfacher.

– Zwei Zivilisationskrankheiten sind:

      die Zeit mit den Zeigern einer Uhr
      und
      das Alter in Jahren zu messen.

– All-Ein-Sein ist nicht in der Isolation zu finden, sondern in der Interaktion.

– Die Gewohnheit ist ein Käfig.

– Viele Menschen leben in einer nie kommenden Zukunft als Sklave von Dingen, die sie nie nutzen können.

– Die Welt ist bunt. Selten schwarzweiß.

– Gut und Böse liegen nicht auf einer bipolaren Achse. Es sind zwei unterschiedliche Achsen in einem mehrdimensionalen Raum. Der hat auch noch andere Achsen.

– Vergebung ist der Schlüssel.

– Ziele sind kein Lebens-Mittel und somit als Lebens-Mittel-Punkt völlig ungeeignet.

– Ziele als Würze in der Speise der Selbstbestimmtheit können wertvoll sein.
Als Resultat einer fremdbestimmten Zeitgeistverseuchung sind sie krank.
Die Dosis bestimmt das Gift.

– NICHTS kann SINN MACHEN. SINN IST.

– Die Balance zwischen Freiheit und Zugehörigkeit zu finden, beinhaltet die Chance, dass die beiden EINS werden.

Und das ist ganz schön viel.
Und ganz schön gut.

 

Übernachtung:
Daheim bei mir

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