Mein persönlicher Jakobsweg … die restlichen Tage

Mit Anita verbindet eine jahrelange tiefe Freundschaft, die von einer Art ist, die es ausgesprochen selten gibt und die zum Wertvollsten gehört, was Menschen haben können. Wenn ich bei ihr bin, bin ich nicht Gast, sondern zu Hause … und umgekehrt.

Schade ist, dass dies wenige Menschen nachvollziehen können. Ich wünsche mir, dass ganz viele Menschen in ihrem Leben dieses Ausmaß an Vertrauen, Ehrlichkeit und Zueinanderstehen in ihren Freundschaften erleben. Oder wenigstens in einer.

Stattdessen laufen die meisten in unserer Kultur Zielen nach.
Als ich ein Kind war, hatte ich keine Ziele. Ich lebte einfach, erlebte, spielte und übernahm mit meinem kindlichen Herz Verantwortung … auch Verantwortung sozialer Art. Ich liebte, wurde geliebt und hab vieles nicht kapiert. Wenn damals irgendjemand nach meinen Zielen gefragt hätte, hätte ich ihn verständnislos angesehen.

Es ist gut, manches von sich selbst als Kind zu lernen. Und von anderen.

Später wurde ich mit dem Gedankengut der Zielverfolgung infiziert. Ich verfolgte meine Ziele, Ziele, die teilweise nicht einmal meine eigenen waren, sondern die durch die Ansteckung mit Gesellschafts- und Umfeldwertigkeiten geboren wurden, sich aber sehr schlau als meine eigenen Ziele tarnten.

Einer meiner ersten Workshops hieß:
„Ziele erkennen und erreichen“.
Es war ein gutes Seminar mir vielen wertvollen Inputs.
Und guten Outputs.

Doch den Fokus seines Lebens bevorzugt auf IN-PUT und OUT-PUT zu legen birgt die Gefahr, dass dadurch viel sinnvolles KA-PUT(t) wird. Es gilt, die eigenbestimmte Balance zu entdecken.

Derart beschäftigt mit der Verfolgung meiner Ziele
wurde ich zum Getriebenen.
Mein Leben wurde zum Projekt, das ich managte.

Ziele sind gut.
Als Würze in der Speise der Selbstbestimmtheit.
Als Resultat einer fremdbestimmten Zeitgeistverseuchung sind sie krank.

Ziele sind kein Lebens-Mittel.
Und dem entsprechend als Lebens-Mittel-Punkt völlig ungeeignet.

Dieses auf mich selbst geworfen sein auf meinem Jakobsweg hat mir die Augen dafür geöffnet, klar zu erkennen, was vorher schon nebelverschleiert silhouettenhaft erkennbar war. Dieses krankhafte sich durch fremdbestimmte Vorstellungen treiben lassen … Zielen nachzulaufen, die sich nie erfüllen werden, vor allem, die nie Erfüllung bringen werden … das Leben diesen Fesseln zu unterwerfen … um dann, wenn es zu spät ist, zu sagen … hätte ich doch nur den Mut gehabt, mein persönliches Leben zu leben, meine eigenen Werte zu verwirklichen anstatt das, welches andere von mir erwarten. Hätte ich doch nur die Beziehung zu den Menschen, die mir wichtig sind, wichtiger genommen als irgendwelche Ziele, die letztlich erfüllungslos nur das Rennen nach neuen Zielen fordern. Hätte ich nur aus vielen Herausforderungen die Forderungen herausgenommen.

So wie diese Redensart, „Etwas macht Sinn“, Ausdruck einer irregeleiteten Einstellung ist …

NICHTS kann SINN MACHEN, SINN IST.
Etwas IST SINNVOLL … völlig ungemacht und unmachbar.

Dies in aller Klarheit zu erkennen ist ein Resultat der Eindrücke in und außerhalb von mir in den letzten Tagen. Sein statt Schein. Und so ändert sich die Qualität meiner Ziele … und die meiner Nichtziele. Und … ein Schmunzeln huscht über mein Gesicht … diese Klarheit kam gänzlich ziellos und konnte auch nur so kommen. Und sie macht frei.

Auch frei für eine Art der Erfüllung in der Zukunft, die damals noch nicht da war, die nicht gemacht werden kann, die nur als Geschenk empfangen und angenommen werden kann. Das finden eines Menschen, den ich so nie suchen hätte können, weil er wunderbarer ist, als ich es mir hätte erträumen können … und der erst einige Zeit später mein Leben liebevoll bereichern wird. Mehr als das … eine ungeborene Zukunft …

Das, was ich als gut und sinnvoll empfinde, ist, die Balance zwischen Freiheit und Zugehörigkeit in jedem Schritt zu lernen. Um auch erleben zu dürfen, dass in diesen beiden kein Widerspruch liegt, dass das Eine ohne das Andere wertlos wird und dass sie dort, wo es besonders sinnvoll ist, dasselbe werden. Und dass es schön ist, dies zu erleben. Und dass dies einer der vielen Gründe ist, dankbar zu sein.

Dankbar bin ich auch dafür, Kathi von einer für mich neuen Seite kennenzulernen. Sie engagiert sich gemeinsam mit ihrer Schwester und vielen anderen Einheimischen und Ausheimischen für die niederschwellige und spaßmachende Integration von Flüchtlingen. Durch Musik.

So lerne ich den Vorarlberger Kontaktchor kennen … für mich ein geniales Beispiel an kreativer und wertvoller Arbeit unter der musikalischen Leitung von Gaul. Ein nachahnemswerter genialer Beitrag zum Gelingen unserer Gesellschaft, durch den sich die unterschiedlichen Kulturen gegenseitig friedvoll und sinnvoll befruchten und im Miteinander über Konventionen hinauswachsen.

 

Übernachtung:
bei Anita in Lauterach

 

zurück zur Übersicht
zum Inhaltsverzeichnis

 

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s