Mein persönlicher Jakobsweg … der achte Tag

Ein erholtes Erwachen.

Draußen … welch Überraschung … regt sich ein Regentropfen nach dem anderen. Marke Betriebsausflug. Und rundherum Unwetter. Überschwemmungen. Und ich habe auf meinem Rad keine Schwimmreifen.

Das Frühstück ist eine Offenbarung. Unerwartet vielseitig für eine sehr günstige und eher „altvatrische“ Herberge. Eine Vielfalt an frischem Obst, herrliches Gebäck, Schinken, Käse, selbstgemachte Marmeladen, wirklich guter Kaffee, Müsli, Kuchen … die Käsescheiben in Herzerlform geschnitten …

Die Motivation für Veränderung wird durch zwei Dinge mitbestimmt. Einerseits die Attraktivität des Zieles, wobei das „Naheliegende“ meist das „Höhere“ sticht. Andererseits die Attraktivität (oder der Leidensdruck) des Ist-Zustandes. Je nachdem, was überwiegt, treibt es uns weg vom Ist, zieht es uns hin zum Ziel oder hält es uns da, wo wir sind.

Mein höheres Ziel ist es, meinen Jakobsweg zu vollenden. Es ist attraktiv. Und die Aussicht, meine beste Freundin Anita in Vorarlberg wiederzusehen, steigert die Attraktivität.

Wenn ich beim Fenster hinaussehe, sehe ich das Naheliegende. Die Aussicht, durch einen Betriebsausflug besoffener Schuastabuama garniert mit Nacktschneckenmus, behindert von Überschwemmungen, gefährdet von Blitzschlag zu fahren, ist naheliegenderweise nicht sehr attraktiv.

Wenn ich mir meinen Ist-Zustand anschaue … ein herrlich gedeckter Frühstückstisch, liebe Gastgeber, von denen man etwas lernen kann, interessante Gesprächspartner am Nachbartisch in Form von drei Generationen einer Famile mit ostdeutschen Wurzeln … dann ist es ziemlich anziehend, hier zu bleiben.

Ich frage meine Gastgeber, ob ich das Zimmer einen Tag länger haben kann.
Ja.
Ich bleibe.

Den Vormittag verbringe ich mit Lesen, mit Reden. Ein bisschen in der Werkstatt meines Gastgebers, ein ehemaliger Polier, der dort viel Spaß daran hat, handwerklich nicht gerade anspruchsvolle Figürchen zu produzieren, die er weit unter seinen Materialkosten auf irgendwelchen Weihnachtsmärkten verkauft. Was ihm daran Spaß macht? Das Leuchten in den Augen der Kinder.
Einfachheit, die einfach bestechend schön ist.

Schön ist auch, dass die Beiden schon so lange glücklich verheiratet sind.
Auch das begleitet uns im Gespräch – erst mit ihm, dann mit ihr.
Aus der Weisheit lebenserfahrener alter Menschen zu lernen, tut gut.

Am Nachmittag klart es auf.

Ich mache einen Spaziergang durch den Ort. Runter zum See. Bei jedem Schritt quatscht es. Die Luft ist angenehm kühl und riecht sauber. Am See gibt es eine kleine Strandbar, die normalerweise auch Snacks anbietet. Sie ist mangels Gästen zwar geschlossen, aber die Besitzerin, eine Kellnerin und so eine Art Mädchenfüralleshausmeister machen gerade kleine Vorbereitungsarbeiten. Steg ausbessern, Rohstoffe einlagern, und miteinander ein Zigaretterl rauchen. Wir kommen ins Gespräch. Auf den gemeinsamen Drink lädt mich die Barbesitzerin ein. Dabei habe ich ein frisches zivilisiertes Quand an und bin geduscht. Hmmm.

Gegen Abend beginnt es wieder zu regnen. Ich checke gemeinsam mit meinen Gastgebern und der ostdeutschen Familie, wo auf meinem Weiterweg die Überschwemmungen mich aufhalten könnten. Jeder hat nützliche Informationen. Und daraus entsteht der Plan für meine morgige Weiterreise.

Ach ja … und das Abendessen beim Traditionswirten war erwarteterweise wieder ausgezeichnet.

Für jene, die es gerne technisch haben:
– Wegstrecke: 0 km … ungefähr
– gesamte Höhenmeter bergauf: 0 m … auch nur in etwa

Verlauf der Route:
Zell am Moos  😉

Übernachtung:
Privatquartier in Zell am Moos, wie am Vortag

 

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