Glück und Hass, wie passt denn das?

Boomende Inflation an Fakenachrichten in den diversen Social Media Plattformen. Jeder bekommt, was seine Meinung bestärkt. Und die Meinung von immer mehr Menschen wird manipulativ bestimmt durch Ängste und durch Pauschalierungen negativer Art.

Wir erleben die Wurzeln eines neu erblühenden alten Baumes, bestehend aus Radikalismus, Rassismus, Hass. Genährt durch politische Umbrüche, die sogenannte Flüchtlingskrise, die angebliche Gefahr durch Terroranschläge. Auf dem Dünger der Verallgemeinerung und des Vorurteils.

Viele sind bereit, Werte wie ein menschliches Miteinander oder persönliche Freiheit für eine Scheinsicherheit zu opfern, die es nicht gibt.

Keine Angst, dies wird kein irgendwie gefärbter politischer Artikel.
Aber ich beobachte die Entwicklungen der letzten Zeit sehr genau, und heute möchte ich diese herunterbrechen auf die psychische und somatische Auswirkung auf Menschen, die sich zu Unsicherheit, Angst und Hass verführen lassen, durch jene, die ihren Nutzen daraus ziehen.

 

Jeder gesunde Mensch hat zwei Leitmotive:

  • das Streben nach Freiheit (Unabhängigkeit)
  • das Streben nach Sicherheit (Zusammengehörigkeit)

Die beiden scheinen in Widerspruch zueinander zu stehen.
Der Schein trügt.

Die Lebensaufgabe besteht darin, den scheinbaren Widerspruch aufzulösen und seinen persönlichen Weg für ein gesundes und kooperatives Miteinander zu finden. Denn langfristig überlebt nicht der Schnellste, der Stärkste, der Intelligenteste … sondern derjenige, der am wohltuendsten kooperiert.

Müssten wir – als psychisch gesunde Menschen uns für nur eines von beiden Leitmotiven entscheiden, so hätte wohl das Streben nach Sicherheit und Zusammengehörigkeit die besseren Aussichten, denn Freiheit und Unabhängigkeit ohne jegliche vertrauensvolle soziale Kontakte wäre langfristig krankmachend.

Genau dies wird seitens Demagogen in einer seit langem gut funktionierenden, manipulativen und letztlich zerstörerischen – jedoch sehr effizienten Form ausgenützt. Nämlich indem das an sich sinnvolle und gesunde Leitmotiv pervertiert wird in:

Zusammengehörigkeit durch Ausschluss einzelner Menschen oder Gruppen von Menschen. Das funktioniert bestens durch das Schaffen eines gemeinsamen Feindes. Feindbilder können zusammenschweißen. Und Menschen mit mangelndem Selbstwertgefühl fühlen sich kurzfristig besser, wenn sie auf jemand Wehrlosen herumhacken können.

Die Erscheinungsbilder heißen dann Mobbing, soziale Kälte, Ausländerfeindlichkeit … bis hin zum heiligen Krieg. Die Hemmschwelle sinkt … gerade auch in der vermeintlichen Anonymität im Cyberspace.

Geschürt wird letztlich offener oder verdeckter Hass, offene oder unterschwellige Aggression, übersteigerte Wut, rücksichtsloser Egoismus in Zugehörigkeit zur jeweils eigenen Gruppe, die natürlich gegen reale und eingebildete Angriffe geschützt und verteidigt werden muss.

Macht all dies glücklich?
Nein. Es macht krank.

Hass mobilisiert. Er schafft ein kurzfristiges Gefühl  von Stärke, vor allem, wenn er Bestätigung erfährt. Er kann sich aus sich selbst heraus nähren. Dazu braucht er keine rational fundierten Ereignisse. Hass hat die Tendenz, sich aufzuschaukeln. Hass ist ein Teufelskreis.

Die Rechnung kommt einige Zeit später.
Mit folgenden möglichen Rechnungsposten:

  • ein geschwächtes Immunsystem
  • Erschöpfung
  • innere Zerfressenheit
  • somatische Effekte wie gesteigerte Atemfrequenz und Bluthochdruck mit den entsprechenden Folgeerkrankungen
  • vermehrte Schweißausbrüche
  • Magengeschwüre, Krebs
  • Hass vergiftet langfristig den eigenen Organismus

 

Dass viele in sozial schwachen oder hilfesuchenden Menschen eine Bedrohung sehen, kommt letztlich aus einem pervertierten Menschenbild:

Der Mensch wird als ersetzbarer Funktionsträger gesehen („jeder ist ersetzbar“). Sein Wert ist umso größer, je besser er funktioniert.

Wer Menschen so sieht, sieht sich auch selbst als austauschbaren Funktionsträger.
Das ist kontraproduktiv für das eigene Selbstwertgefühl und echten, tiefen und tragfähigen Freundschaften oder Partnerschaften äußerst abträglich.

Fakt ist:

  • Jeder von uns ist auf seine unvergleichliche Art wertvoll und hat ein Recht darauf, würdevoll und respektvoll behandelt zu werden.
  • Kein Mensch ist ersetzbar.
  • Jeder Mensch hat das Recht darauf, sich selbst gegenüber wertschätzend und respektvoll zu sein.
  • Wer frei und freudvoll gibt,
    beschenkt sich selbst durch die Freude, die im Geben liegt.
  • Wer anderen die Möglichkeit gibt, ihn zu beschenken, erlebt sich als geliebt und tragt zum Wohlbefinden des Gebers bei.

Das ist eine wesentlich Essenz menschlichen Daseins und die Basis zu einem beglückenden Leben.

Das Lebenselexier für ein glückliches Leben heißt:

Beziehung

Ich bin glücklich.
Was macht mich denn glücklich?

Da ist einmal die Basis einer gesunden Beziehung zu mir selbst. Das beinhaltet auch, mir selbst gegenüber zugleich sensibel und ehrlich zu sein. Zu mir zu stehen, aber nicht erstarrt stehenzubleiben. Ich weiß, wofür ich stehe, wofür ich bin. Dazu benötige ich weder Gegner, noch Wettbewerb, noch Feindbilder. Vergleiche sind sehr häufig nur Gift.

Eine Basis kann nicht auf einem einzigen Punkt stehen.
Zum Glück gibt es da den zweiten Punkt: Meine Beziehung zu echten Freunden. Menschen, die mich lieben, ohne dass ich dafür etwas leisten müsste. Von denen ich weiß, dass sie mit mir durch dick und dünn gehen. Zu mir stehen, auch wenn ich Fehler mache. Menschen,  die ich liebe, ohne dass sie dafür etwas leisten müssten. Getragen von Ehrlichkeit im Umgang miteinander und von Wohlwollen.

Ach ja, und das Prickelnde ist: Jede und Jeder von ihnen ist eine eigenständige Persönlichkeit. Mit eigenen Ecken und Kanten. Eigenen Ansichten. Manchmal gleich, manchmal ähnlich, manchmal auch ganz anders. Das wirkt horizonterweiternd. Da wird’s nicht fad. Da entdeckt man Neues, wenn man sich in die Welt des Andersartigen einlässt. Weil man an seiner Persönlichkeit ein echtes Interesse hat. Weil man voneinander lernt.

Der dritte Punkt gibt sehr viel Kraft.
Das Juwel an meiner Seite. Und ich an ihrer. Getragen von einer tiefen und tragfähigen Liebe, die auf den anderen schaut, achtet, sein Gutes will. Gegenseitiges Vertrauen. Sehen und gesehen werden. Gemeinsam in die gleiche Richtung schauen. Emotionale Resonanz und emotionale Transparenz füreinander und … daraus resultierend ein gemeinsames Handeln, das sich an den beidseitigen Bedürfnissen orientiert. Glück, das daraus erwächst, dass man das Beste für den besten Menschen an seiner Seite möchte.

Der vierte Punkt der Quadrille:
Das, was ich nach außen bewirke. Ich schenke in meiner Arbeit Lebensqualität. Befreiung von teils untragbaren Lasten. Es ist schön, das miterleben zu dürfen. Und ich werde von meinen Kunden beschenkt. Mit deren Lebenserfahrung.  Mit deren Vertrauen. Mit der Möglichkeit, von ihnen zu lernen.

Und dann ist da noch dieses Etwas … was kann ich zum Wohl der Gemeinschaft beitragen, in der ich eingebettet bin? Ohne den Lastwagenfahrer, der das Klopapier und das Lachsfilet ins Geschäft liefert, wäre ich aufgeschmissen. Ohne die Bäckerin, die in der Hitze des Backofens frisches Gebäck macht, während ich noch schlafe, wäre mein Frühstück nur der halbe Genuss. Ohne den Installateur, der meinen Rohrbruch findet und repariert, ohne die Näherin im Ort wäre vieles nicht so leicht.

Es ist schön, da irgendwie danke sagen zu können.

Deshalb engagiere ich mich. Ich trage das Meine zum Gelingen und zur Sicherheit meiner Gemeinschaft bei. Indem ich Menschen helfe,  die Hilfe nötig haben. Weil ihr Haus brennt, weil sie in einem eingeklemmten Auto sitzen oder weil die Lebensumstände in ihrer Heimat für sie nicht mehr tragbar waren und sie flüchten mussten.

Ein Leben in einem gesunden Beziehungsgeflecht macht glücklich. Es stärkt das Immunsystem. Das psychische, das somatische und das mentale.

Es verringert … medizinisch in psychoimmunologischen Studien belegt … Entzündungsfaktoren. Menschen, die in ein förderliches soziales Netz eingebettet sind, haben eine erhöhte Toleranzschwelle, verkraften Stress-Situationen deutlich besser, empfinden Druck weniger stark, sind gelassener trotz eines erhöhten Verantwortungsgefühls sich selbst und Anderen gegenüber. Sie pflegen Eigenverantwortlichkeit, die gestaltet, statt zu jammern. Das Wissen um die eigene Selbstwirksamkeit, Sinnvolles zu bewirken und in Bewegung zu setzen.

Spannend, dass es auch lebensverlängernd wirkt … und zugleich als Jungbrunnen.

Eines ist sonnenklar:

  • GLÜCK braucht DIE ANDEREN
  • EGOMANIE schafft UNGLÜCK

 

Wie aber gelingt es einem ängstlichen, verletzten, verführten oder frustrierten Menschen, die Richtung zu ändern? Was kann er tun, damit sein Leben wieder glücklich und sinnvoll wird?

Dies wird nicht durch das Lesen dieser Zeilen geschehen. Es kann aber hilfreich sein, sich als ersten Schritt seiner diesbezüglichen Defizite bewusst zu werden und professionelle Hilfe für die Aufarbeitung der Hintergründe zu suchen.

Für das Annehmen der Herausforderung, sein Glück zu gestalten, ist ein Vertrauensvorschuss in die Zukunft förderlich. Das gewaltfreie Abschließen alter offener Rechnungen. Eigenverantwortung statt Jammeritis und Schuldzuweisungen. Gangbare Wege suchen, anstatt Gründe zu argumentieren, warum’s so ist und so bleiben muss. Und ein aktives Engagement bezüglich der vier von mir oben angeführten Punkte, Schritt für Schritt.

Prüfen der eigenen Einstellung … ist sie von Respekt und Achtung vor anderen Menschen getragen? Oder fühle ich mich gut, wenn ich andere runtermache?

Ein gesunder Altruismus … wie kann ich meine Fähigkeiten und Gaben einsetzen, dass es ein bisschen besser, glücklicher, schöner auf dieser Welt wird? Worauf habe ich Einfluss? Auf jeden Fall darauf, sich selbst zu trainieren, sich mal in Andere einzufühlen, vor allem in jene, vor denen man sich fürchtet oder die ganz anders sind. Was auch dahin führt, die eigenen Vorurteile zu erkennen und zu hinterfragen.

Nicht jeder ist seines Glückes Schmied.
Glück kann nur in einem zwischenmenschlichen Miteinander geschmiedet werden!

 

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2 Gedanken zu “Glück und Hass, wie passt denn das?

  1. Kein Mensch ist ersetzbar. Wenn ich den Blickwinkel erweitere, sagen wir um 360 Grad, dann ist auch kein Grashalm ersetzbar.

    Da der Mensch auf Beziehung angelegt ist, hat oberste Priorität die Gemeinschaft. Ja, ich weiß, es gibt auch Eremiten, aber die gehören auch dazu.

    Die Frage nach der Freiheit stellt sich zweimal. Freiheit wovon und Freiheit wozu. Das mag jeder für sich selbst beantworten.

    1. Kein Grashalm ist ersetzbar … erinnert mich an den Ausspruch einer Klosterschwester,
      als ich im Kindergarten war:
      „Wenn du einen Käfer tötest, sei dir bewusst, dass ihn Gott geschaffen hat und dass du keinen machen kannst.“

      Mit diesem erweiterten Blickwinkel wird klar, dass wir nicht nur für uns selbst und für die (zwischen)menschliche Beziehung und Gemeinschaft Verantwortung tragen, sondern auch für einen respektvollen Umgang mit den Wesen der Natur, mit Ökosystemen. Jedes Lebendige verdient Beachtung und Achtung.

      Die Frage nach der Freiheit könnte man täglich stellen ;-).
      Man könnte aber genauso gut die Frage und die philosophisch theoretische Antwort gelassen loslassen und seine individuelle Freiheit einfach gelebter Weise genießen ;-), unbewusst und mit einem gewissen gesunden Unwissen behaftet.

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