Die Geschichte von den fünf Vorsätzen

Vor langer langer Zeit lebten einmal fünf Vorsätze. Sie waren weitschichtig verwandt und entstammten alle aus der Familie Gut. Deshalb waren es auch gute Vorsätze. Eigenartig war, dass sie alle so um die Zeit des Jahreswechsels geboren worden waren.

Der Erste hieß Vergessen.
Der Zweite hieß Versagen.
Der Dritte hieß Scheitern.
Der Vierte hieß Zwang.
Der Fünfte hieß Gelingen.

Auch wenn sie alle fünf gute Vorsätze waren, so hatte doch jeder seine eigene Geschichte. Manches an dieser Geschichte war klar und offenbar, anderes eher verdeckt und geheim und wieder anderes war im Reich der Vermutungen zu Hause.

 

Die Geschichte des Vergessens

Vergessen wurde in Gemeinschaft mit einem Glas Sekt voll Enthusiasmus geboren. Aber Vergessen verstarb wenig später. Und das, obwohl er bei der Geburt ein kräftiges Kerlchen war.

Vergessen erkrankte nämlich durch sein mangelndes psychomentales Immunsystem an Ablenkung, die bewirkte, dass er von Anderem immer mehr verdrängt wurde, zusätzlich an unzureichender Verbindlichkeit und an einem Mangel an Selbstdisziplin.

Vergessen verließ nach chronischem Siechtum drastisch unterernährt die Welt des Bewusstseins. In der Welt des Unbewussten rumorte er aber hin und wieder, indem er eine unzuordenbare Unzufriedenheit nach außen wachsen ließ.

 

Die Geschichte des Versagens

Auch Versagen wurde im Überschwang geboren. Aber ein Vorsatz ist ein Baby und kann noch nicht alleine gehen. Damit das Baby gehen lernt, muss es wachsen und zum Ziel werden.

Ein Vorsatz hat eher den Charakter eines Wunsches, etwas, was man gerne anders hätte oder anders gestalten möchte. Was ja nichts schlechtes ist. Als Startpunkt. Aber der Start ist noch nicht die Erfüllung.

Ein Ziel gibt dem Vorschlag Füße, die auch gehen können und  geht über Wünsche, Fantastereien oder Absichtserklärungen hinaus.

Daran erkennt man ein Ziel:

  • Greifbarkeit:
    Zielinhalte müssen so konkret wie möglich formuliert sein
  • Messbarkeit:
    Die Erreichung oder Nichterreichung des angestrebten zukünftigen Ereignisses muss nachvollziehbar sein
  • Machbarkeit:
    Ein zu hoch gesetztes Ziel demotiviert auf Dauer, weil es unerreichbar ist.
    Eine zu niedrig angesetzte Latte ist Selbstbetrug. Auf lange Sicht gesehen ist Selbstbetrug nicht nur demotivierend, sondern auch zerstörend. Ein realistisch angesetztes Ziel fordert, fördert und motiviert.
  • Planbarkeit:
    ohne Anfangs-, Zwischen-, und Endtermine mit greifbaren und messbaren Zwischenergebnissen können Schritte zur Zielerreichung nicht richtig festgelegt oder korrigiert werden
  • Verbindlichkeit:
    ein Ziel ist letztlich ein Versprechen von dir an dich selbst
  • Flexibilität:
    die Möglichkeit für Zielkorrekturen offen halten:
    Stur an Zielen festzuhalten, die sich als unrealistisch herausstellen oder Änderungen der Ausgangssituation, die ein festgesetztes Ziel fragwürdig scheinen lassen, zu ignorieren, ist kein Zeichen von Beständigkeit, sondern zeugt von getrübtem Urteilsvermögen. Ein solches Verhalten bewahrt vor der Erreichung erreichbarer sinnvoller Ziele.

Ziele werden am zweckmäßigsten so formuliert, als ob der gewünschte Zustand schon erreicht wäre. WÄRE, nicht IST. Es sollen attraktive und motivierende Impulse für die Umsetzung in die Praxis enthalten sein.

Zu einem ernstzunehmenden Ziel gehören jedoch auch Ressourcen und der Aufwand, den es kostet, dieses Ziel zu erreichen. Und all das muss unter dem eigenen Einfluss stehen.

Und da wären noch die Kräfte, sie für die Bewegung in die gewünschte Richtung führen. Schubkräfte und Zugkräfte.

Die Schubkräfte sind die, die dich weg vom Derzeitigen drücken. Sie werden gespeist durch das, was dir daran nicht gefällt. Die Zugkräfte sind die, die dich in dein gewünschtes Ziel ziehen. Weil es für dich so wünschenswert, so attraktiv ist.

Und dann wären da noch die Rückstellkräfte, gespeist durch das, was es kostet, dein Ziel zu erreichen und durch das, was am Derzeitigen auch angenehm, schön oder vorteilhaft ist. Und gerade diese Kräfte verstecken sich sehr oft im Unbewussten. Und sind sie stärker als die Schubkräfte und die Zugkräfte, landest du nach einigen Anstrengungen in etwa wieder dort, wo du jetzt schon bist.

Wie du siehst, sind auch bei einem richtigen Ziel noch einige Fallstricke verborgen. Aber Versagen war ja nur ein Vorsatz und noch gar kein Ziel. Und so gab es einige Anläufe, einiges Zurückfallen … bis Versagen schließlich eine Namensänderung beantragte und hinfort Schuldgefühl hieß.

Und das alles nur, weil Versagen nicht von Gelingen gelernt hatte.

 

Die Geschichte des Scheiterns

Scheitern war gescheiter.

Darum heißen ja auch die Steigerungsformen so:
gescheit, gescheiter, gescheitert.

Scheitern ließ sich die nötige Zeit, um erwachsen zu werden und wurde schließlich zu einem Ausgewachsenen Ziel mit allem drum und dran. Scheitern konnte gehen.

Allein … Scheitern ging im Kreis. Und das kam so.

Also um das zu verstehen, ist es wichtig, Maxi zu kennen, der zu Max wurde.

Als Maxi noch ganz klein war, wollte seine Mama nur Gutes für ihn. Und damit er gesund, gescheit und kräftig wurde, sorgte seine Mama dafür, dass er abends rechtzeitig ins Bett kam. So ungefähr um sieben Uhr. Das war eine der Arten, wie sie ihre Fürsorge und ihre Liebe für Maxi zeigte.

Maxi wollte aber nicht immer ins Bett. Er wollte aufbleiben. Und er argumentierte und wehrte sich. Aber am Ende gewann doch immer die Mama. Und das war ja auch sinnvoll und gut so.

Irgendwann war aus Maxi Max geworden. Er war mittlerweile schon stolze 17 Jahre alt. Und seine Mama steckte ihn immer noch fürsorglich um sieben Uhr ins Bett. Sie hatte einfach nicht dazugelernt, ihre Fürsorge und Liebe auf eine Art zu zeigen, die dem jungen Max adäquat war.

Was hat denn diese Geschichte mit Scheitern zu tun?

Einfach dies … Max ist die mittlerweile erwachsene Person, die sich einen guten Vorsatz genommen hat und diesen, weil Max schlau ist, in ein Ziel verwandelt. Nur … dass Max bisher etwas anderes getan hat, als er sich vorgenommen hat, hat oder hatte gute Gründe (so wie Mama einen guten Grund hatte,  Maxi ins Bett zu stecken). Und bei sehr vielen derartigen Verhaltensweisen, sorgen bestimmte unbewusste Anteile in uns (also in diesem Fall in Max) dafür, dass wir sehr verlässlich und auch gegen unsere bewusste Absicht weiterhin tun, was wir eigentlich nicht wollen (so wie die Mama beim 17jährigen Max).

Und genau dieses Schicksal traf Scheitern. Auch er ließ sich dann irgendwann seinen Namen ändern und nannte sich hinfort Unfähigkeit.

Und das alles nur, weil Scheitern nicht von Gelingen gelernt hatte.

 

Die Geschichte des Zwangs

Zwang war der Zwillingsbruder von Scheitern.

Nur … Zwang war diszipliniert. Und Ausdauernd. Auch Konsequent.

Genauso, wie Scheitern machte sich Zwang zu einem Ziel. Er schenkte dabei all dem, was ihn davon abbringen konnte, keinerlei Beachtung. Auch dem nicht, ob das Ziel wirklich ein eigenes war, oder ob es in Wirklichkeit nur von der Gesellschaft, dem Arbeitgeber oder seiner Clique gewünscht war, ihm also von irgendjemand von außen aufs Aug gedrückt worden war.

Zwang sah nur ganz klar und ohne jeglicher Ablenkung oder Korrektur Respekt zu zollen, das Ziel und alle nötigen Schritte zur Zielerreichung vor Augen.

Und so ging Zwang Schritt für Schritt eisern und ohne Rücksicht auf die inneren unbewussten Anteile seinen Weg zum Ziel. Und so begab es sich, dass er mit voller Effizienz seinen Vorsatz umgesetzt und das Ziel  erreicht hatte.

Zur selben Zeit  kämpfte in seinem Innen die innere Maximama dagegen an. Sie war verantwortungsvoll und wusste, was sie mit dem Bisherigen, von dem sich Zwang mit Siebenmeilenstiefeln entfernte, Sinnvolles bewirkt hatte. Weder Max, noch sie, hatten das Alte ja grundlos getan. Und auch nicht deshalb, weil sie dumm gewesen wären.

Sie wusste darum, was sie dadurch für Max ermöglicht hatte und wovor sie ihn dadurch geschützt hatte. Und je mehr sie dagegen ankämpfte, je lauter sie schrie, umso ungehörter verhallten ihre Bemühungen und umso ungeliebter fühlte sich dieser innere unbewusste Teil.

Also ersann sie andere Verhaltensweisen, um sicherzustellen, was sie sicherstellen wollte. Irgendwo brauchte ihr Bemühen ein Ventil. Max hatte mit Zwang zwar sein Ziel erreicht, aber sich dadurch eine größere und noch unentdeckte Baustelle eröffnet, die sich, sobald sie entdeckt wurde, nicht als besser erwies, als das bisherige Alte.

In der Sprache der Psychologie heißt so etwas Symptomverschiebung.

 

Die Geschichte des Gelingens

Mit dem Ziel ist das so eine Geschichte. So wie mit Werkzeugen. Mit denen kann man tolle Dinge machen. Ob man die nachher auch wirklich brauchen kann, ist eine andere Frage.

Genau mit dieser Frage beschäftigte sich Gelingen, während es heranwuchs.

Gelingen fragte sich und fühlte dem nach, ob sein Vorsatz wirklich selbstbestimmt und selbstgewollt sei. Inwieweit seine Umsetzung überhaupt in seinem eigenen Einfluss stände. Und welche Verbündete vielleicht wichtig wären, um sich irgendwann einen neuen Namen geben zu können.

Nachdem Gelingen nun klar war, dass das Erreichen sein Zieles wirklich lohnenswert und wünschenswert wäre, setzte er sich mit den Auswirkungen auf sein Umfeld auseinander. Er bemerkte, dass er damit einige Freunde vor den Kopf stoßen könnte. Und das wollte er nicht, denn seine Freunde waren ihm wichtig. Er wollte aber auch nicht die Marionette des Wohlbefindens seiner Freunde sein. Was tun?

Gelingen adaptierte sein Ziel so, dass es in ausreichendem Maß sozial verträglich wurde und dennoch das Wesentliche seines Wünschens und Wollens behielt. Und dann ging er die Schritte zur Erreichung.

Da bemerkte Gelingen innere Widerstände. Es war Maximama, die sich – und das aus gutem Grund – querlegte. Deshalb begann Gelingen mit Maximama zu verhandeln, um schließlich eine Einigung zu  finden, bei der Maximama sich respektiert fühlte und ihre Aufgabe weiterhin erfüllen konnte, jedoch auf eine neu gefundene und förderliche Art. Und nachdem Maximama ja ein unbewusster innerer Teil war, führte er diese Verhandlung in Form einer speziellen Hypnose.

So erreichte Gelingen schließlich sein Ziel.
Auch er gab sich einen neuen Namen: Erfolg.

 

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2 Gedanken zu “Die Geschichte von den fünf Vorsätzen

  1. Vorsätze haben den Charakter eines Wunsches?
    Kann Versagen ein Wunsch sein?
    Kann Scheitern ein Wunsch sein?
    Kann Zwang ein Wunsch sein??

    1. Liebe LA,

      danke für deinen Kommentar. Ich denke, deine Fragen sprechen aus, was sich so mancher Leser auch fragt.

      Zuerst eine kleine Anmerkung:
      Worte sind Hülsen als Transportmittel für den Inhalt, der eingefüllt wird. Und der Inhalt, den ich einfülle, kommt aus meiner Welt. Der den du einfüllst, aus deiner. Und deshalb wird jeder von uns die Begriffe etwas anders verstehen.

      Dein Kommentar gliedert sich in vier Teile, die ich gerne nacheinander meinerseits kommentiere:

      A. Vorsätze haben den Charakter eines Wunsches …

      … beides ist nicht dasselbe, es gibt jedoch Gemeinsamkeiten. Ein Wunsch drückt unter anderem ein Bedürfnis hinsichtlich einer Gegebenheit oder Fähigkeit aus, oft die Hoffnung auf Erfüllung beinhaltend, also in der Hoffnung auf eine Veränderung der derzeitigen Situation für sich selbst oder auch für einen Andere. Und wenn wir das Wort Hoffnung durch Bestreben ersetzen, haben wir so etwas wie einen Vorsatz, der in der Regel noch zusätzlich die Annahme enthält, man könne ihn aus eigener Kraft erreichen. Wünschen kann ich mir ja auch etwas, was ich mir selbst nicht erfüllen kann. Für viele Menschen ist ein Vorsatz im Prinzip ein als Absichtserklärung formulierter Wunsch. Manche gehen da schon weiter und überlegen sich auch konkrete Schritte zur Umsetzung, wo dann die Grenze zu dem, was ich Ziel nenne, verschwimmt.

      B. Kann Versagen ein Wunsch sein …

      … SEIN … das würde ich eher verneinen. WERDEN dagegen schon.
      Also umgekehrt … der Wunsch wird zum Versagen.

      Wenn Eltern ihrem Kind einen Namen geben, legen manche Wert auf die Bedeutung des Namens, quasi als Art Mitgift für die Zukunft. Die Bedeutung des Namens meines Bruders beinhaltet „Mut“, die meines Namens „Stärke“. Das war das, was wir als Neugeborene noch nicht waren, was aber als Eigenschaft etwas war, was unsere Eltern damals für uns als Hilfreich für die Zukunft empfunden haben.

      Natürlich wird kaum eine Mutter oder ein Vater sein Kind Versagen nennen (hoffentlich nicht). In der Geschichte ist das quasi als metaphorische Prognose gemeint. Einfach deshalb, weil in vielen Vorsätzen aufgrund der dahinterliegenden (oder fehlenden) Struktur das Versagen schon vorprogrammiert ist. Was durch die Geschichte des Versagens ein bisserl veranschaulicht werden sollte.

      Sinngemäß ähnliches gilt auch für die anderen Geschichten in diesem Artikel.

      C. Kann Scheitern ein Wunsch sein …

      … wieder wie unter 2. … eher Nein … obwohl es schon Menschen gibt, die sich oder anderen ein Scheitern wünschen, aber das ist nicht Thema dieser Geschichte.

      Wiederum ist der Name nicht als Gleichsetzung, sondern als metaphorische Prognose gemeint.

      D. Kann Zwang ein Wunsch sein …

      … hmmm, darüber könnte man philosophieren.
      Aber wiederum auch hier als metaphorische Prognose.

      Dazu jedoch noch zwei Gedanken:

      der Erste … ich erlebe viel zu oft, dass die Erfüllung von Vorsätzen durch selbst auferlegte Disziplin und zwanghaftes an starren Regeln orientiertes Verhalten geknüpft wird, sei es der Versuch abzunehmen oder mit dem Rauchen aufzuhören oder auch ganz anderes. Meine Philosophie ist es, dazu beizutragen, Lebensqualität zu erweitern, statt sie in die Enge starrer Regeln zu treiben. Viele Menschen kasteien sich zur Erreichung von vielleicht an sich sinnvollen Zielen, obwohl es – mit der geeigneten psychomentalen Begleitung auch spielend leicht und wie von selbst gehen könnte. Wenn ich so etwas sehe, macht es mich manchmal traurig.

      der Zweite … es gibt krankhafte Vorsätze oder Wünsche, die in sich schon zwanghaft sind, wie zum Beispiel jener, abnehmen zu wollen, obwohl der- oder diejenige eh schon unterviszeralfettig ist. Der Vorsatz zur Anexorie bedeutet letztlich, sich körperlich und psychisch zwanghaft kaputt zu machen. Klarerweise ein plakatives Extrembeispiel, aber ähnliches gibt es auch in einer weitaus weniger offensichtlichen Form.

      Und auch unsere Gesellschaft (unser Freundeskreis, der Arbeitgeber, die Familie, der Partner, …) versucht fallweise, uns Zwänge aufzuerlegen, denen sich manche dann in Form letztlich fremdbestimmter – von außen gewissermaßen erzwungener Vorsätze beugen.

      Wichtig ist dabei, eines ganz klar im Auge zu behalten:
      Egal wie unsinnig oder auch vielleicht sogar selbstzerstörerisch ein derartiges Handeln ist … die Menschen tun das nicht, weil sie dumm sind, sondern weil es ihnen (siehe Maximama) in irgendeiner Form einen (meist unbewussten) Gewinn verschafft, den sie entweder irgendwann einmal gebraucht haben oder auch noch immer brauchen … und wo Maximama bisher noch nicht gelernt hat, diesen Gewinn in einer heilsamen Form sicherzustellen.

      Die gute Nachricht:
      Nach meiner Erfahrung ist sie immer bereit und fähig, derartiges zu lernen.

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