Ach wie gut, dass niemand weiß …

… was Rumpelstilzchen dazu bringt, so zornig zu werden, dass es sich schließlich selber mitten entzwei reißt …

Hinterher dachte es sich sicher … mah bin ich blöd, nur weil meine Erwartungen nicht erfüllt worden sind, mach ich mich zum …

Was wäre, wenn wir es wüssten? Was wäre, wenn wir über uns selber wissen, welche Auslöser es braucht, um uns innerlich oder äußerlich stampfen zu lassen, wie das Rumpelstilzchen? Obwohl wir eigentlich wissen, dass wir uns oder unsere Beziehungen mit solchen … dem Anlass nicht gerecht werdenden Reaktionen … entzwei reissen?

Jeder von uns ist gut mit inneren Mustern bestückt, die dann ein äußeres Verhalten produzieren. Und das ist auch gut und wertvoll so. Sonst müssten wir  jedes Mal ganz viel nachdenken, bevor wir wissen, dass wir uns freuen dürfen, wenn wir einen lieben Menschen wiedersehen oder wo wir uns tatsächlich vor einer Gefahr schützen sollten.

Nur hat unser Unbewusstes dummerweise auch innere Muster gelernt, die gar nicht lustig sind. Das ist wie bei  einer Allergie … der Körper reagiert auf etwas, was dem Körper nichts schlechtes tut, so,  als wäre es Gift. Und unsere Seele tut so etwas manchmal  auch.

Typische Verhaltensweisen dafür sind:

  • Du reagierst auf etwas (innerlich oder äußerlich) aggressiv, verstimmt oder ängstlich, obwohl es dich gar nicht wirklich angreift.
  • Du hast präventiv Angst vor Dingen, die sehr wahrscheinlich nie passieren werden.
  • Du ziehst dich aufgrund von äußeren Anlässen in dein „Schildkrötenhaus“ zurück, obwohl dir niemand weh tun möchte,  du aber dennoch davon überzeugt bist.
  • Du suchst dir unbewusst Menschen, denen es (in deinen Augen) nicht gut geht, die und fühlst dich gezwungen, ihnen zu helfen. In dem unbewussten Glauben … dass, wenn du diese Menschen „rettest“, du dich in deinem Innersten selber „rettest“. Nur leider funktioniert das nicht.
  • Du suchst dir immer wieder Partner (natürlich suchst du die nicht, du lässt dich finden 😉 ), mit denen die Beziehung in ähnlichen Bahnen läuft, bis die Beziehung scheitert, um dann mit einem neuen Partner dieselben „Rumpelstilzchentänze“ aufzuführen …
  • Suchtverhalten wie …
    • Alkohol, Zigaretten, andere Drogen
    • Kaufsucht
    • Arbeitssucht (Workaholic)
    • Spielsucht (Computerspiele, Automatenspiele, Spielcasinos)
    • Magersucht
    • die Sucht, ohne Hunger und ohne Genuss zu Essen
    • Schlafmittel, Psychopharmaka

ein guter Indikator für Sucht ist:
Ich tu, was ich tu, nicht um ein gesundes Bedürfnis zu befriedigen oder um zu genießen, sondern um eine bestimmte Wirkung zu erzielen (wie … einschlafen können, lockerer werden, wachbleiben können, mich abgrenzen können …) oder um bestimmte unerwünschte Gefühle zu betäuben (z.B. Angst) oder um mir etwas zu ermöglichen, was ich anders nicht so gut kann (z.B. eine bessere Leistung erbringen, einen Vortrag halten können, Zugang zu Kreativität, …)

Wenn du einen dieser Punkte ein Mal an dir erlebst, würd ich sagen, das ist ein Zufall. Registrieren und nicht weitere Energie dran verschwenden.

Erlebst du derartiges ein zweites Mal an dir … sollte dir das zumindest verdächtig vorkommen … das wäre schon ein sinnvoller Anlass, das Ganze mit einem Profi zu beleuchten.

Passiert es ein drittes Mal, ist es ziemlich sicher ein in dir eingefahrenes Muster. Irgendein an sich harmloser Auslöser bewirkt, dass du deine Schleifen ziehst.

Und dann kann es passieren, dass ein zweiter Mensch da ist, bei dem irgendein Element deiner Schleife bewirkt, dass bei ihm seine Schleife startet. Wenn seine Schleife dann noch etwas enthält, das dich wiederum triggert, sind wir im unherrlichsten Teufelskreis, und die Eskalation ist vorprogrammiert.

Das Vorhandensein solcher Muster kann ganz verschiedene Ursachen haben. Sehr oft stehen Traumatisierungen im Hintergrund. Die oft in der Lade des Vergessens gelandet sind. Oder unbewusste Riten zum Aufrechterhalten von Loyalitäten.

Das Auflösen und Umgestalten derartiger Muster macht frei.

Frei, wählen zu können, mit welchem Verhalten man auf ehemalige Auslöser reagiert.
Frei, agieren zu können, statt reagieren zu müssen.
Frei für selbstbestimmte Lebensqualität und für die Gestaltung wohltuender Beziehungen.

 

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4 Gedanken zu “Ach wie gut, dass niemand weiß …

  1. Rumpelstilzchen hat sich zwar nicht selbst entzweigerissen (weil das körperlich nicht möglich ist), aber als geläufiges Bild ist es zum Einstieg brauchbar.

    Wie aber könnte es mit Rumpelstilzchen weitergegangen sein?

    Vielleicht so:
    R. war zwar traurig, dass der Plan nicht aufgegangen ist, aber fasste sich und gab der Königin seine Adresse, falls sie ihn wieder einmal brauchen sollte. Und tatsächlich, nach einigen Jahren, als er für das Kriegführen wieder Geld brauchte, verlangte er von seiner Fau wieder, Stroh zu Gold zu spinnen. Da ging ihr plötzlich auf, dass er sie gar nicht ihretwegen geheiratet hatte. Sie nahm ihre Kinder und etwas Hausrat und machte sich auf den Weg zu R. Seitdem leben sie zusammen und wennn sie nicht gestorben sind…(zugegebenermaßen nicht von mir, aber so habe ich es meinen Töchtern verklickert)

    1. Im Märchen ist viel möglich … und so sind sie oft als Metapher für Vorgänge in unserer Psyche sehr nützlich. Letztlich sind sie ja oft genau aus diesem Grund entstanden, die meisten „echten“ Märchen waren ja ursprünglich nicht für Kinder gedacht, sondern um reflektiert denkenden Erwachsenen etwas zu verdeutlichen oder Anregungen zu liefern.

      Deine Fortsetzung des Märchens finde ich nett.

      Und auch sie wirft eine Frage in der Realität des Lebens auf:

      • Was sind tragfähige und gute Gründe und Voraussetzungen
        für eine glückliche und liebevolle Beziehung zwischen Mann und Frau …
      • Welche Einstellungen und Motive sind eher kontraproduktiv und zerstörend …
      • Wie kann man infolgedessen sein persönliches Glück schmieden
        (anstatt Gold zu Stroh zu spinnen … oder doch eher umgekehrt?)

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