Basteln wir eine Behinderung …

Es gibt Menschen, die so tun, als  wären sie mit ihrer Situation unzufrieden, nur um bei jedem Lösungsvorschlag erklären zu können, warum das nicht geht.

Es gibt Menschen, die (auch sich selber) vortäuschen, dass sie ein Ziel erreichen wollen würden, wenn nur nicht diese unverrückbaren Hindernisse im Weg stünden.

So ganz nebenbei gibt es auch Leute, die es (natürlich unbewusst) ganz gerne haben, wenn sich ihre beklagenswerte missliche Lage nicht ändert, weil sie gelernt haben, dass Jammern Aufmerksamkeit erregt, das Helfersyndrom in anderen aktiviert … und weil  sie das mit Zuneigung und Liebe verwechseln.

Ja, es gibt Probleme. Nur, was muss ein Problem an sich haben, damit es die Ehre bekommt, sich wirklich Problem nennen zu dürfen?

  • Ein Problem ist gekennzeichnet dadurch, dass es jemand hat. Oft wird über etwas Problemartiges gesprochen, ohne dass das, was es zum Inhalt hat, irgendwen betrifft. Das ist dann kein Problem, sondern ein rumphilosophieren, rumpolitisieren oder ein Vorwand dafür, darüber jammern zu können, wie grauslich doch unsere Welt ist. Ein echtes Problem betrifft einen Menschen unmittelbar und persönlich.
  • Ein Problem ist individuell. Für den, der es hat. Also kann es durchaus sein, dass dasselbe für irgendwen anderen überhaupt kein Problem darstellt. Aber für den, der es hat, ist es eben eines. Und es ist sinnlos, diesem Menschen dadurch beweisen zu wollen, dass er dieses Problem nicht hat, indem man ihm erklärt, warum man es selbst nicht hat. Es ist auch sinnlos, jemand anderen Probleme suggerieren zu wollen, die er gar nicht hat, nur weil man selber in dessen Situation etwas als problematisch empfindet. Kurz gesagt: Der Experte für das Problem ist immer der, der es hat.
  • Ein Problem ist gekennzeichnet durch Leidensdruck. Es entsteht wenn sich eine Person in einer inneren oder äußeren Situation befindet, die es aus irgendwelchen Gründen nicht für wünschenswert hält.
  • Ein Problem stabilisiert sich dadurch, dass der Mensch, der es hat,
    • entweder im Moment nicht über die Mittel oder das Wissen verfügt, um den unerwünschten Zustand in den wünschenswerten Zustand zu überführen,
    • oder dass er nicht genug motiviert ist, den dafür nötigen Aufwand zu leisten,
    • oder dass er nicht bereit ist, die Eigenverantwortung dafür zu übernehmen.
  • Ein Problem ist lösbar. Ist es nicht lösbar, dann ist es kein Problem, sondern ein Schicksal. Und damit ist grundsätzlich anders umzugehen als mit Problemen.

 

Nun gibt es Menschen, die, wenn sie ein Problem haben, Lösungen suchen. Das bedeutet, sie gehen aktiv Schritte, um die nötigen Mittel oder das Wissen zu bekommen, ihr Ziel zu erreichen. Und holen sich bei Bedarf andere ins Boot, die ihnen das Ganze leichter machen.

Andere Menschen erklären lieber, warum sie das Problem haben (oder forschen intensiv nach Erklärungsmodellen für ihr Problem). Das mag zwar wissenschaftlich interessant sein, bewegt aber nichts.

Und wieder andere basteln sich daraus eine Behinderung. Sie betrügen sich selbst, indem sie so tun als wäre ihr Problem schicksalshaft und beginnen, sich ein Hindernis nach dem anderen zu basteln, um das sich selbst und anderen zu beweisen.

Das tun sie aber nicht, weil sie dumm oder böse sind oder weil sie so gerne leiden, sondern weil es der für sie beste Weg ist, mit der Situation umzugehen. Weil sie andere Möglichkeiten nicht kennen oder diese aus ihrem Blickfeld verbannt haben.

Was genau ist denn ein Hindernis? Hier laufen innere, oft unbewusste Prozesse ab, um das Problem, aus welchen Gründen auch immer, zu stabilisieren. Und dafür gibt es eine reichhaltige Auswahl:

  • Da wäre das Hindernis der Konfusion: Dem Menschen fehlt das Wissen und die Klarheit in Hinblick auf ein mögliches Ziel oder eine mögliche Lösung und die dafür zu gehenden Schritte.
  • Oder ein Festgefahrensein in nicht wichtigen Inhalten oder Vorstellungen, an nicht funktionalen Glaubenssätzen.
  • Ein oft unterschätzter und unerkannter Grund sind traumatische Erlebnisse, die eine einschränkende Prägung des Menschen bewirken. Oft stehen hier unbewusste Ängste im Hintergrund.
    Fatal: Traumatisierungen haben ca. 80% der Menschen im deutschsprachigen Raum.
  • Was eine gute Methode ist, um sich unglücklich zu machen und es zu bleiben, sind Vergleiche, die unangemessen enge und unverrückbare Erwartungshaltungen und Kriterien hervorbringen. Die Scheuklappen werden so eng angelegt, dass Blindheit für Lösungen herrscht, die etwas anders aussehen, aber die Bedürfnisse im Hintergrund vielleicht sogar besser erfüllen könnten.
  • Ein Konflikt durch versteckte Bedingungen, durch den Gewinn, den der Mensch aus seiner Problemsituation zieht, wirkt ebenfalls stabilisierend und öffnet die Kreativität für das Bauen von Hindernissen.
  • Festgefahrene Verhaltensmuster gepaart mit stabilisierenden Auslösern für diese Muster bewirken ein sich fortwährendes Drehen in einer Teufelsspirale.
  • Zweifel, Unsicherheit und Versagensängste bewirken ein Festhalten am „ungefährlichen und sicheren Bekannten“.

 

All dies führt zu einem Abwürgen der Lebensqualität, ähnlich wie Schlingpflanzen einem Baum die Entwicklungsfreiheit entziehen.

Bis vor einer Generation hatten wir nicht das Wissen und Können, derartig einschränkende innere Strukturen umzuwandeln. Das Schöne ist, dass wir heute in einer gesegneten Zeit leben. Entsprechend qualifizierte psychologische Berater erarbeiten spielend leicht gemeinsam mit dem betroffenen Menschen Lösungen, die in der Wirklichkeit wirken, die eine ungeahnte Steigerung der Lebensqualität bewirken.

 

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