Burnout, Mode oder Fluch?

Heute wird immer mehr, gerade auch in den Medien über Burnout berichtet. Das hat einen guten und einen weniger guten Effekt. Einerseits dient eine gute Aufarbeitung der Thematik der Information und der Sensibilisierung. Andererseits wird es modern, sich selber ein „Burnouterl“ zuzuschreiben oder dieses bei anderen zu wittern.

Burnout ist eine ernstzunehmende Beeinträchtigung der Psyche (ICD-10: Z73.0 Ausgebranntsein, Burn-out, Zustand der totalen Erschöpfung; F48.0 Neurasthenie, DSM-IV-TR: 296.82 Atypische Depression; 300.40 Dysthymische Störung) und somit absolut nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.

Zugleich aber gibt es Burnout gar nicht.

Zum einen: Wer ein Burnout wirklich in allen seinen Phasen erleidet,  hat schwerste Beeinträchtigungen seiner Lebensqualität bis hin zur Selbstmordgefahr in bestimmten Phasen des Verlaufs. Auch bei guter therapeutischer Begleitung unter Zusammenspiel von psychiatrischer Betreuung und psychomentaler Begleitung wird in der Regel die Ausgangsleistungsfähgkeit des Patienten nicht mehr erreicht, ca. 80% sind realistisch. Und es ist mit einer Dauer in der Größenordnung von 1/2 Jahr bis zu 6 Jahren zu rechnen, bis man wieder stabilisiert ist. Zusätzlich ist meist die Anfälligkeit für ein weiteres Burnout erhöht.

Burnout ist also nichts, was man gerade ein paar Tage lang hat. Das wäre dann eher eine kurze depressive Phase oder eine Befindlichkeitssstörung. Also eben kein modebedingtes „Burnouterl“ 😉

Zum anderen gibt es Burnout nicht. Warum? Weil es sich dabei nicht um einen fest beschreibbaren Zustand mit bestimmten Erkennungsmerkmalen handelt, sondern um einen sehr komplexen Verlauf mit sehr unterschiedlichen Erscheinungsbildern und Erkennungszeichen. Freudenberger und Noth haben deshalb 12 Phasen definiert (genaueres hier).

Fatal ist, dass Laien im Umfeld des Betroffenen meist erst ab Phase 7 erkennen, dass etwas nicht stimmt. Und genau ab da geht’s massiv bergab.

Dort wo noch relativ leicht gegengesteuert werden kann (Phase 2 bis 5), ohne den gesamten Weg des Leidensdruck  zu erfahren, können die Signale nur von einem Profi rechtzeitig erkannt werden. Gerade deshalb ist Prävention und Psychohygiene so wichtig, mindestens genauso wichtig, wie Zähne putzen, bevor Zahnschmerzen da sind.

Wichtig ist aber auch, das Kind nicht mit dem Bad auszuschütten. Nicht jeder, bei dem man irgendeines der Symptome erkennen kann, ist deshalb schon Burnout-gefährdet. Bei Unsicherheiten hilft auch da die Abklärung mit einem professionellen Begleiter.

 

Stadien des Burnout
(Gerhard Pech)

Burnout (Seminararbeit Universität Wien)
(Annabell Graf, Helene Hofer, Irene Piller, Stefanie Stempfer unter Supervision von Gerhard Pech)

 

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